Theresia Walser

Kängurus am Pool (UA)

Uraufführung | Auftragswerk

Eröffnung der 38. Bayerischen Theatertage

Premiere am 13. Mai 2022

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"17 Uhr 30 ratsch. Sommer ratsch. Winter ratsch." Bei manchen klingt es wie eine mit Inbrunst hinuntersausende Guillotine, wenn die "Rolladen" - oder heißt es "Rolläden", wie dann angemerkt wird?! - nach unten gelassen werden. Welcher nachbarschaftliche Charakter versteckt sich wohl hinter dem verdunkelnden Plastik? Die Mehrfamilienhausgemeinschaft ist sich einig: kein guter, in keinem Fall; in manchem dafür ein toter. Ist auch vielleicht besser, dann kann er sich nicht mehr auf dem Balkon die Fußnägel knipsen, sodass man beim Sonnetanken davon berieselt wird.

Ada, Elly, Tschill, Mutter Baya und ihre Tochter Sonja, Säm, und Herr Ellrod sind Nachbar*innen, die eigentlich nicht so viel voneinander wissen (wollen). Auch dem Paketboten ist schleierhaft, wie die Zusammenhänge im Haus tatsächlich sind. Tag für Tag schleppt er Päckchen und schwere Säcke Katzenstreu über die Treppen, ein Einschreiben kann nicht zugestellt werden, weil wie immer keine*r zuhause ist - und eigentlich ist er Hornist. Und damit in jedem Fall im falschen Job gelandet. Aber zumindest nicht im falschen Leben.

Sie alle sind eine Gemeinschaft wider Willen, die sich trotzdem als eine solche zusammennehmen muss, gerade in diesen Zeiten. Sonst laufen sie Gefahr, sich der Vorstellung hinzugeben, dass das Leben mit handfesten Verlusten ein besseres sei, wenn jemand "Weit oben. Ganz weit.", eingezogen ist. Denn: "Die großen Lieben, die großen Befreiungen, die großen Erfolge, die guten Jobs, die tollen Reisen. Alles blüht auf. Alles mit der Trauer. Das Leben wird auf einmal besser. Sogar das Wetter."

Theresia Walser öffnet in "Kängurus am Pool" lauter Seelenfenster und guckt den Leuten in die Wäsche. Sie findet Leichen, zwar nicht im Keller, dafür im obersten Stockwerk, einen Brockhaus stapelnden Demenzkranken, eine Hospizclownin mit diversen anderen Ausbildungen und eine suspendierte, dem Alkohol verfallene, Lehrerin. Sie sind wie wir, in ihrer ganzen lustigen Verzweiflung. In einem Interview sagt die Autorin über all ihre Figuren: "Sie sind letztendlich ja auch Vergrößerungsspiegel dessen, was wir alle an uns selbst kennen. Wer lacht, ist involviert. Wer lacht, tritt in Beziehung. Im besten Fall lacht man den Schrecken über sich selbst weg. Schließlich rumort es in jedem von uns, das kann von leiser Unduldsamkeit bis zum gelegentlichen Vernichtungswillen reichen. Jeder Mensch ist ein Theater für sich."

Theresia Walser war drei Mal für den Mühlheimer Dramatikpreis nominiert und ist aus der Theaterlandschaft nicht mehr wegzudenken; mittlerweile sind ihre Stücke in 20 Sprachen übersetzt. "Kängurus am Pool" ist eine Auftragsarbeit, die für die Eröffnung der 38. Bayerischen Theatertage entstanden ist.

Regie Sibylle Broll-Pape
Bühne und Kostüme Trixy Royeck
Dramaturgie Victoria Weich
Ada, freischaffende Unternehmensberaterin Marie-Paulina Schendel
Elly, arbeitslose Architektin Philine Bührer
Tschill, Hospizclownin Antonia Bockelmann
Mutter Baya Katharina Brenner
Sonja Baya, ihre Tochter, suspendierte Lehrerin Clara Kroneck
Säm, Versicherungsmakler auf absteigendem Ast Ansgar Sauren
Herr Ellrod, Kaufmann im Außenhandel Florian Walter
Paketbote, eigentlich Hornist Stefan Herrmann
Dr. Brunk, Ellys Vater Stephan Ullrich