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11.5.2026
Von Anna Schütz
„Theater gibt uns die Möglichkeit, Utopien, Visionen oder auch Dystopien durchzuspielen, sich mit Themen, auch mit unbequemen, auseinanderzusetzen, den Finger in die Wunde zu legen. Theater kann keine Probleme lösen, das ist mir klar, aber es kann vielleicht Wege aufzeigen, die zu Lösungen führen könnten, Gedanken anstoßen und zu Gesprächen führen“, heißt es von Sebastian Ritschel im Gespräch mit ART 5|3 am 27.3.26.
Mit diesen Worten beschreibt der Intendant des Staatstheaters Regensburg, die gesellschaftliche Funktion des Theaters, und formuliert damit zugleich eine Idee, die sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Bayerischen Theatertage (BTT) zieht: Theater ist Kunst, kreativ und schöpferisch, und es ist sozial. Es entfaltet seine Wirkung nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Austausch zwischen Häusern, Künstler*innen und Publikum. Begründet wurden die BTT von August Everding und Ernst Seiltgen, damals Generalintendant der Bayerischen Staatstheater und Intendant des Theaters Ingolstadt. Dabei zeigte sich 1983 schon, was im Motto 2026 explizit wird: Im Festival sollte die Vielfalt der bayerischen Theaterlandschaft gebündelt, beleuchtet, und jedes Jahr an einem anderen Ort vorgestellt werden. Was heute als größtes Theaterfestival Bayerns Einsicht in die breite Theaterlandschaft ermöglicht, begann vergleichsweise klein: mit elf Inszenierungen in elf Tagen, konzentriert auf das Schauspiel. In dieser frühen Phase lag der Fokus des Festivals weniger auf der Idee eines publikumswirksamen Großereignisses; stattdessen sollte es ein Ort der Selbstverständigung sein, ein Netzwerk- und Repräsentationsraum für die bayerischen Theater selbst. Dabei wurden die Produktionen immer aufwändiger und komplexer, sodass das Festival seit 2018 im Zweijahresrhythmus stattfindet.
Heute sind die Bayerischen Theatertage nicht mehr eine Leistungsschau einzelner Häuser. Obwohl noch immer ein Treffpunkt der Szene, eröffnen sie darüber hinaus einen Ort des Austauschs und der Aushandlung: Hier wird nicht nur gezeigt und gespielt, sondern diskutiert, vernetzt, und reflektiert. Besonders deutlich wird die Wichtigkeit dieser Begegnungen im Publikumspreis, bei dem alle Zuschauer*innen ihre Stimmte für eine überzeugendste Produktion abgeben können. Der Preis ist damit nicht nur eine Auszeichnung, sondern ein Stimmungsbild– und damit Aussage darüber, welche Stücke, Themen, Formen und Theatermomente das Publikum über Regionen und Theaterhäuser hinweg ganz besonders berühren, überraschen und begeistern.
Mit dem Jubiläum kehren die Theatertage 2026 an einen Ort zurück, mit dem das Festival bereits eng verbunden ist. Nach 1988, 2004, 2010 und 2016 richtet die Stadt das Ereignis nun zum fünften Mal aus. Ein Blick zurück zeigt, wie sich die inhaltliche Ausrichtung über die Jahre entwickelt hat. 2016 stand das Festival unter dem Motto „Wildes Bayern“: 14 Tage, 35 Theater, über 50 Vorstellungen. Schon damals wurde programmatisch auf Vielfalt gesetzt, in den Sparten und den Formaten. Neben klassischen Aufführungen umfasste das Programm so Diskussionen, Lesungen, Konzerte und experimentelle Formate. Um nur ein Beispiel zu nennen: das Format „Klassik-Karaoke“, eine Open Stage für Opernfans.
In diesem Jahr richtet sich der thematische Fokus des Festivals auf Vielfalt, sowohl in den Produktionen selbst als auch im Rahmenprogramm: neben theatralen Klassikern und Uraufführungen finden Stadtführungen, Improtheater, eine Sondersendung von Bayern2 und ein Kostümverkauf statt. Erstmals sind in diesem Jubiläumsjahr auch alle Sparten vertreten: von Schauspiel und Musiktheater über Tanz, Figurentheater und Performance bis hin zu jungem Theater, digitalen Formaten und inklusiven Produktionen.
Diese Blog-Rubrik besteht aus Texten von sieben Studierenden der Universität Regensburg. Diese beschäftigen sich im Rahmen des Seminars „Spot on!“ mit den 40. Bayerischen Theatertagen und bringen unter dem #Seitenblicke ihre kulturwissenschaftlichen Perspektiven in den BTT-Blog ein.
Bitte einmal alles vergessen, was Sie über samtene Sessel und das Schweigen im dunklen Zuschauersaal wissen. Diese Theater-Formate sprengen Etikette, die vierte Wand, Genregrenzen oder schaffen eine einzigartig entspannte Atmosphäre: Die 40. Bayerischen Theatertage laden dazu ein, Theater neu zu entdecken.
Mit unserem Festival-Plus-Programm der Bayerischen Theatertage holen wir die Bühne nach draußen: Freuen Sie sich auf überraschende Performances, musikalische Highlights und interaktive Formate, die zum Verweilen, Entdecken und Mitmachen einladen.