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11.5.2026
Von Yannick Schmidl
Das Theater Regensburg ist heute weit mehr als nur eine Bühne: Es ist das Zentrum der darstellenden Künste in Ostbayern und strahlt längst über dessen Grenzen hinaus. An mehreren Spielstätten vereint es Oper, Schauspiel, Tanz, Junges Theater und Konzert und spiegelt damit die Vielfalt eines urbanen Kulturlebens, das sich über mehr als anderthalb Jahrhunderte hinweg entwickelt hat. Im Fokus des folgenden Beitrags steht dabei das Haupthaus am Bismarckplatz, das historische Herzstück des Mehrspartenhauses.
Ein Sprung in das 19. Jahrhundert: Eine Zeit des Umbruchs, in der sich die Strukturen des Theaters zunehmend aus höfischen Gefügen lösen und zu bürgerlichen Institutionen werden, zu Orten städtischer Öffentlichkeit und gesellschaftlicher Begegnung. Auch in Regensburg nimmt diese Entwicklung Gestalt an, als Erzkanzler Karl Theodor von Dalberg im Jahr 1803 die Stadt Regensburg als Residenzort zugesprochen bekommt. Doch ein entscheidendes Element fehlte für das perfekte Domizil: ein Theater- und Gesellschaftshaus. Dalberg reagiert zügig und beauftragt noch im selben Jahr seinen Architekten Emanuel Joseph von Herigoyen mit der Planung eines solchen Ortes am heutigen Arnulfsplatz.
(Das neue Gesellschaftshaus. Aquarell von Heinrich Klocke 1829. In: Hermann, Michael/Hochbauamt: Theater. Sanierung 1998-2001. Regensburg 2001, S. 19.)
Das frühe Theater begeistert. Besucher schwärmen vom Vergnügungspotenzial, vom gesellschaftlichen Leben, das sich hier erleben und genießen lässt, obgleich durchaus Bedenken geäußert werden, denn die hölzerne Bauweise gilt als riskant, insbesondere in einer Zeit, in der Stadtbrände keine Seltenheit sind. Diese Sorge erweist sich als berechtigt. Am 18. Juni 1849 zerstört ein verheerendes Feuer das Gebäude vollständig. Es hieß, Regensburg hätte damit seinen gesellschaftlichen Mittelpunkt verloren. Ein rascher Wiederaufbau schien für alle Beteiligten das oberste Credo. Mittels Gründung einer Aktiengesellschaft und finanzieller Unterstützung des fürstlichen Hauses Thurn und Taxis erhielt der Architekt Karl Victor Keim den Zuschlag zur Neubebauung des abgebrannten Areals. Keim orientierte sich in erster Linie an der Gestaltung seines Vorgängers Herigoyen und erweiterte die Fassade um Säulen, Balkone sowie Walmdachflächen – in jener Form, in der sich das Theater im Wesentlichen bis heute präsentiert.
Was nach 1853 folgt, ist keine lineare Verwendung oder ein konservatives Verharren auf bestehende Räumlichkeiten, sondern eine Geschichte permanenter Veränderung. Über Jahrzehnte hinweg wird das Theater saniert, umgebaut, renoviert und dabei immer wieder neu gedacht. Es ist ein Haus, das sein Innenleben und Gesicht mehrfach wechselt und sich dabei den jeweiligen kulturellen, ästhetischen und technischen Anforderungen anpasst. Von tiefgreifenden Veränderungen des Neuhaussaals, über Artillerietreffern während des Zweiten Weltkrieges, hin zu einer drohenden Schließung des Theaters infolge baulicher Mängel: Das Theater meisterte jede Zäsur und wurde zum stillen Dauerakteur des städtischen Lebens.
(Das neue Theater und Gesellschaftshaus von Südwesten. Aquarellierte Zeichnung von Karl Victor Keim, um 1860. In: Hermann, Michael/Hochbauamt: Theater. Sanierung 1998-2001. Regensburg 2001, S. 25.)

(Theater Regensburg ca. 1890, Foto: Stadt Regensburg, Bilddokumentation)
Und selbst in der Gegenwart bleibt es in Bewegung: Am 6. Mai 2026 – also kurz vor dem Start der Bayerischen Theatertage – ist am Bismarckplatz ein Handwerker zu sehen, der über dem Haupteingang eine neue Aufschrift anbringt. Aus dem Theater Regensburg wird das „Staatstheater Regensburg“ – ein Name, der mehr ist als nur ein symbolisches Rebranding. Er markiert den Beginn einer neuen Ära: Mit der Spielzeit 2026/2027 erhält das Haus den Status „Staatstheater“ und rückt damit noch stärker ins Zentrum der bayerischen Theaterlandschaft. Eine sukzessive Erhöhung der finanziellen Förderung sowie neue Möglichkeiten, künstlerische Qualität, personelle und technische Ausstattung und digitale Angebote zu stärken, eröffnen neue Perspektiven und zugleich die vielversprechende Frage, welche neuen Spielräume, aber auch Anpassungen sich daraus ergeben könnten – ganz so, wie es aus historischer Perspektive immer gegeben war und auch künftig sein wird, blicken wir gespannt und erwartungsvoll auf das Theater Regensburg.
Diese Blog-Rubrik besteht aus Texten von sieben Studierenden der Universität Regensburg. Diese beschäftigen sich im Rahmen des Seminars „Spot on!“ mit den 40. Bayerischen Theatertagen und bringen unter dem #Seitenblicke ihre kulturwissenschaftlichen Perspektiven in den BTT-Blog ein.
Was heute als größtes Theaterfestival Bayerns Einsicht in die breite Theaterlandschaft ermöglicht, begann vergleichsweise klein. Anfangs lag der Fokus des Festivals weniger auf der Idee eines publikumswirksamen Großereignisses; stattdessen sollte es ein Ort der Selbstverständigung sein, ein Netzwerk- und Repräsentationsraum für die bayerischen Theater selbst. Dabei wurden die Produktionen immer aufwändiger und komplexer, sodass das Festival seit 2018 im Zweijahresrhythmus stattfindet.