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28.5.2026
Von Julia Forster
Bevor die eigentliche Show losgeht, beginnt hinter den Kulissen die oft unsichtbare Arbeit der Licht- und Tontechnik. Ich habe das Technikteam des Theater Hof bei seinem Gastspiel von DIE TAGEBÜCHER VON ADAM UND EVA im Antoniushaus begleitet und spannende Einblicke in ihren Arbeitsalltag erhalten.
Bei einem Gastspiel – im Team auch „Abstecher“ genannt – muss der neue Raum erst nach seinen technischen Eigenschaften ausgekundschaftet werden. Ist der Raum hallig? Was ist die genaue Position der Züge? Ein zentraler Ort für die Techniker*innen ist außerdem das Front of House, kurz FOH, an dem Licht- und Tonpulte eingerichtet und bedient werden. Hier werden die Einstellungen der Produktion auf die jeweiligen Gastpulte übertragen und an die Gegebenheiten des neuen Hauses angepasst. Bei dieser Produktion bedeutete das die Programmierung von rund 140 Cues – also einzelne Lichtszenen, die später atmosphärisch durch den Abend leiten.
Als außenstehende Person fiel es mir anfangs schwer, den Gesprächen zwischen dem Team zu folgen. Nach und nach lernte ich jedoch, dass Subwoofer für wummernden Bass sorgen und ein Hazer feinen Dunst auf die Bühne bringt. Neben der offiziellen Fachsprache existiert auch eine Vielzahl an Insidernamen, die teilweise nicht einmal über einzelne Theaterhäuser hinweg verständlich sind. So werden beispielsweise im Theater Regensburg gebogene Scheinwerfer umgangssprachlich als „Bananen“ oder im Theater Hof bestimmte Klemmen als „Frösche“ bezeichnet. Die Technikwelt erscheint mir als ein eigener sprachlicher Kosmos, der sich mit seinem Fachjargon, Insiderbegriffen und Abkürzungen anfangs gar nicht so leicht entschlüsseln lässt.
Mir fällt außerdem ein bestimmter Dresscode auf: Ich erkenne Merchshirts der Bayerischen Theatertage sowie der jeweiligen Theaterhäuser. Dazwischen finden sich Shirts mit konkreten Produktionsbezügen, etwa ein Shirt mit einem Seepferdchen-Patch als Anspielung auf ein Stück, sowie Bandshirts von Musiker*innen, mit denen bereits getourt wurde. Manche Shirts wirken dabei wie Erinnerungsstücke vergangener Produktionen, andere signalisieren wiederum die Zugehörigkeit zum Team der aktuellen Veranstaltung oder der Szene im Allgemeinen.
Zum Arbeitsalltag der Techniker*innen gehören auch einige ungeschriebene Regeln. So wird mir erzählt, dass das Pfeifen auf und hinter der Bühne als Tabu gilt. Der Ursprung wird häufig mit der Zeit der Gasbeleuchtung im Theater in Verbindung gebracht, als ein Pfeifen möglicherweise mit dem Geräusch von undichten Leitungen verwechselt werden konnte. Außerdem gibt es die interne Regel, nicht mit Kopfbedeckung auf die Bühne zu gehen – eine Gepflogenheit, deren Ursprung mir jedoch niemand genau erklären kann.
In Gesprächen wird schnell deutlich, dass die Arbeitszeiten im Theaterbetrieb kaum mit klassischen Arbeitsrhythmen vergleichbar sind: Gearbeitet wird oft bis in die späten Abendstunden, während sich intensive Produktionsphasen mit ruhigeren Zeitfenstern abwechseln. Dennoch wird der Technikberuf als besonders reizvoll beschrieben, da er sowohl komplexes, problemlösendes Denken erfordert als auch ein gewisses Maß an künstlerischer Mitgestaltung ermöglicht. Besonders spannend ist dabei, wenn Spontanität und Flexibilität gefragt sind und beispielsweise während der Vorstellung unbemerkt Scheinwerfer nachjustiert werden müssen.
Nach einer erfolgreichen Vorstellung bleiben beim Applaus die Techniker*innen meist unsichtbar im Hintergrund. So sei es ihnen jedoch auch am liebsten, wie mir erzählt wird – schließlich habe man sich bewusst für eine Tätigkeit außerhalb des Rampenlichts entschieden. Unmittelbar nachdem die letzten Zuschauer*innen den Saal verlassen haben, geht es dann ans Abbauen. Oft lässt das Team den Abend anschließend noch gemeinsam ausklingen – als kleiner Reward für die geleistete Arbeit.
Die Arbeit als Techniker*in im Theater erscheint mir als ein Beruf, der viel persönlichen Einsatz verlangt und immer wieder neue Herausforderungen bereithält. Gleichzeitig wird sie durch die enge Zusammenarbeit im Team geprägt und gewinnt gerade durch das gemeinsame Gelingen einer Produktion ihren besonderen Wert. Der technische Blick kann dabei auch beim eigenen Besuch einer Theatervorstellung nicht ganz abgelegt werden: Automatisch werden Scheinwerferfahrten mitverfolgt oder auf das Klangbild der Mikrofonierung geachtet – ohne aber, dass der Zauber eines Stückes verloren geht.
Im Rahmen der Bayerischen Theatertage zeigte das Theater Hof am Sonntag, den 24.5. im Antoniushaus die letzte Vorstellung des satirischen Musicals DIE TAGEBÜCHER VON ADAM UND EVA. Mit dem Musical von Marc Seitz und Kevin Schroeder nach Mark Twain brachte die Regisseurin Rita Sereinig eine unterhaltsame und pointierte Erzählung der Geschichte der ersten Menschen auf die Bühne. Eine vierköpfige Band begleitete das Publikum mit jazzigen Klängen auf der Expedition in das Dschungelparadies.
Ein Gast betritt das Gebäude des Staatstheaters am Bismarckplatz. Die schweren Eingangstüren ebnen dem Besuchenden den Weg zur charakteristischen Kutschendurchfahrt, die während der 40. Bayerischen Theatertagen in sanfte Grün- und Rosatöne getüncht ist. Rasch wird er von einem freundlichen Gesicht begrüßt und ihm durch Blicke signalisiert, dass man für jegliche Fragen und Wünsche jederzeit Rede und Antwort steht. Für die Besucher*innen ist das der erste zwischenmenschliche Kontakt an diesem Theaterabend.
„Bei dem Stück hat sich die Mühe wirklich gelohnt,“ erklärt Chefrequisiteur Frank Buck im Gespräch mehrere Stunden vor der Aufführung von DAS SCHWEIGENDE KLASSENZIMMER. Im Rahmen einer „teilnehmenden Beobachtung“ – einer kulturwissenschaftlichen Forschungsmethode, die durch Beobachtung, persönliche Teilnahme sowie informelle Gespräche Einblicke in soziale Praktiken ermöglicht – begleitete ich das Gastspiel des Mainfranken Theaters Würzburg bei den Bayerischen Theatertagen.