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26.5.2026
Von Anna Schütz
Als Zuschauer*innen erleben wir Theater oft über das, was uns unmittelbar gezeigt wird: Bühne, Licht, Kostüme, Performance. Dabei baut jede Inszenierung auf einer Vielzahl an Prozessen auf, die für uns oft unsichtbar bleiben. So braucht eine Inszenierung, lange bevor sie endlich den Tag der Premiere feiern kann, eine Person, die Texte bearbeitet, Hintergründe recherchiert, Konzepte mitentwickelt, Feedback gibt und zwischen Regie, Ensemble und Publikum vermittelt. Genau das ist die Arbeit der Dramaturgie – eines Berufs, der für Außenstehende oft nur vage verständlich ist, den Theaterbetrieb aber entscheidend mitgestaltet.
Für Twyla Zuschneid, seit der Spielzeit 2022/23 Dramaturgin und Vermittlerin am Jungen Theater Regensburg, liegt die Faszination ihrer Arbeit dabei vor allem darin, dass sie sich nicht auf eine einzelne Aufgabe beschränken lässt. „Die Dramaturgie ist viele Berufe in einem“, sagt sie, und erklärt weiter, dass Dramaturg*innen eigentlich immer beschäftigt sind. Mit dem Ohr am Puls der Zeit schlagen sie Inhalte und Stücke vor, die die Gesellschaft bewegen, für aktuelle Produktionen bearbeiten sie Texte und erstellen Fassungen, begleiten Proben, stehen im Austausch mit Regie und Marketing, halten Einführungen und führen Nachgespräche mit dem Publikum. Einen echten Büroalltag gibt es nicht: „Manche Tage sind lang, vor allem um die Endproben herum, manche sind mit Orga-Aufgaben gefüllt, an anderen bearbeite ich Texte oder recherchiere. Und ich bin natürlich in engem Austausch mit der Regie und schaue mir die Proben an.“ sagt Twyla. Besonders begeistert sie dabei der Kontakt, den sie nicht nur zu den Menschen im Haus und den Gastkünstler*innen, sondern auch zum Publikum hat. So ist es in der Sparte Junges Theater gängige Praxis, Kindergartengruppen und Schulklassen zu Proben einzuladen und so wertvolles Feedback des jungen Publikums für die künstlerische Arbeit zu erhalten. Und auch bei den Vor- und Nachgesprächen stellt sie einen direkten Kontakt her zwischen dem Haus und seinen Produktionen und dem Publikum mit allen Fragen und Anregungen.
Eine der wichtigsten Aufgaben der Dramaturgie ist, eine Inszenierung zwar vorzubereiten und zu begleiten – dabei jedoch immer auch eine kritische Distanz zu wahren. Mit ein wenig Abstand schauen Dramaturg*innen die geprobten Szenen, sehen Ungereimtheiten oder komplizierte Sachverhalte, nehmen den Blick des Publikums ein, Fragen nach und geben künstlerisches Feedback. In dieser „outside eye“-Funktion stellen sie sicher, dass die Inszenierung für das Publikum verständlich und spannend ist, und ihr Rhythmus funktioniert.
Für die vielen Aufgaben der Dramaturgie ist vor allem eines essenziell: ein ausgeprägtes Gespür für künstlerische Kommunikation. Neben einer Affinität für Texte und Textarbeit und einem großen Interesse für die Geschehnisse in Welt und Gesellschaft braucht es vor allem Freude daran, mit Menschen in Kontakt zu treten, seien es Arbeitskolleg*innen oder Besucher*innen: „Wichtig ist dabei, offen zu bleiben. Nicht zu denken ‚ich weiß ja, was die Leute sehen wollen‘, sondern verschiedene Perspektiven einnehmen!“ So bringen die Dramaturg*innen auch wichtige Impulse für die nächsten Spielzeiten ein und wirken daran mit, dass das Theater offen und zugänglich bleibt. „Das ist für mich ein großes Privileg“, sagt sie, „Begegnungsräume zu schaffen, in den Austausch zu gehen – und mit jedem Stoff etwas Neues zu lernen!“
Die Arbeit der Dramaturgie wirkt für Außenstehende oft wenig greifbar, „fast nebulös“, fasst Twyla zusammen. Viele wissen zwar an sich, dass es Dramaturg*innen am Theater gibt, aber nicht, welche Aufgaben sie übernehmen und wie sie zur Entstehung einer Inszenierung beitragen. Im Gespräch mit Twyla konnte ich auch ich, als Studentin der Kulturwissenschaft und leidenschaftliche (wenn auch viel zu seltene) Theatergängerin, noch viel über die Arbeit der Dramaturg*innen lernen. Für meinen nächsten Besuch weiß ich nun also, dass auch Dank Ihrer ein Stück seine volle Wirkung entfalten kann!
Auf einer abgedunkelten Bühne kauert eine Figur, fast zu einem Ball verformt, regungslos. Bis die ersten Sonnenstrahlen eines neuen Tages (in Form eines gedämpften Spotlights) sie zum Leben erwecken. Unaufhaltbar intensiv performt Jin Lee als Solistin den Lebenszyklus eines Baumes und lädt das Publikum ein, über die eigene Natürlichkeit und (Natur)Verbundenheit nachzudenken.
„Bei dem Stück hat sich die Mühe wirklich gelohnt,“ erklärt Chefrequisiteur Frank Buck im Gespräch mehrere Stunden vor der Aufführung von DAS SCHWEIGENDE KLASSENZIMMER. Im Rahmen einer „teilnehmenden Beobachtung“ – einer kulturwissenschaftlichen Forschungsmethode, die durch Beobachtung, persönliche Teilnahme sowie informelle Gespräche Einblicke in soziale Praktiken ermöglicht – begleitete ich das Gastspiel des Mainfranken Theaters Würzburg bei den Bayerischen Theatertagen.
„Eigentlich bin ich ja Architektin“ sagt Brigitte West über ihre Arbeit als Gewandmeisterin für die Damen am Staatstheater Regensburg. Es sei ihre Aufgabe aus zweidimensionalen Zeichnungen Kostüme zu erschaffen, die an dreidimensionalen Körpern optimal sitzen.