Bayerische Theatertage 26

40. Bayerische Theatertage
Regensburg 2026

Magic Moments im Theater – Einblick in die Theaterpädagogik

© Tom Neumeier Leather
#BTT26 #Seitenblicke

28.5.2026

Von Teresa Holzmann

Den Begriff „Magic Moment" kannte ich bisher eher aus Castingshows oder Disneyfilmen. Dass er auch im Nachgespräch nach einer Theatervorstellung eine Rolle spielt, wusste ich nicht, bis ich mit Hannah Spielvogel gesprochen habe. Als Lehramtsstudentin interessiert mich, was Theater leisten kann, das Schule nicht schafft: ein Raum für Themen, die im Unterricht oft keinen Platz finden. Deshalb habe ich mir für die Bayerischen Theatertage das Gewerk „Theaterpädagogik“ bzw. „Theatervermittlung“ näher angeschaut.

Am Jungen Theater Regensburg ist es offiziell die Theatervermittlung. Hannah Spielvogel ist eine von zwei Dramaturginnen, die diesen Bereich übernehmen. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Twyla Zuschneid, Regieassistentin Liz Colyn und Leiterin Oda Zuschneid bilden sie eine Vier-Personen-Abteilung. Was sie machen, deckt einen wichtigen Teil von Theaterpädagogik ab. Ich habe mich gefragt, was Theatervermittlung dann eigentlich bedeutet.

Zu jeder Produktion gibt es pädagogisches Begleitmaterial für Lehrkräfte und Erzieher*innen, denn gerade bei schwierigen Themen ist das wichtig. Das Stück WAS DAS NASHORN SAH, ALS ES AUF DIE ANDERE SEITE DES ZAUNS SCHAUTE behandelt den Holocaust für Kinder, DAS LEBEN IST EIN WUNSCHKONZERT Alkoholismus in der Familie. Das sind Themen, die man nicht automatisch im Unterricht behandelt. Dazu kommen Patenklassen, Theaterführungen und Einführungen kurz vor der Vorstellung. Fast immer folgt ein Nachgespräch. Ein Theaterbesuch ohne Einordnung würde sonst Viele, besonders Kinder, mit offenen Fragen oder dem Gefühl zurücklassen, etwas nicht ganz verstanden zu haben.

Daher gibt es den „Magic Moment“. Wenn man nach einem Stück nur fragt „Wie fandet ihr es?“, kommt in der Regel nicht viel. Also tauschen sich die Kinder zuerst untereinander aus: Welcher Moment ist ihnen am stärksten in Erinnerung geblieben, ob lustig, aufregend oder traurig? Erst dann spricht die Gruppe gemeinsam. Der Umweg über das Persönliche öffnet das Gespräch und man erfährt schnell, dass verschiedene Kinder ganz verschiedene Dinge wahrgenommen haben. Vielleicht auch, weil es im Gespräch über Theater kein Richtig und kein Falsch gibt.

Theater funktioniert anders als Schule hauptsächlich über Gefühle. Man versteht manche Dinge vielleicht gar nicht so bewusst, sondern nimmt ein Bauchgefühl mit. Gerade für Kinder kann das sehr wertvoll sein. Sie können so über ernste Themen sprechen, ohne mit Zahlen, Noten oder Definitionen konfrontiert zu werden. Das spielt sicherlich auch eine Rolle in den „Magic Moments“. Dass solche Angebote gefragt sind, überrascht deshalb kaum. Im Gegenteil: Der Bedarf an Theater ist sogar höher, als derzeit im Jungen Theater abgedeckt werden kann.

Nach unserem Gespräch denke ich noch einen Moment darüber nach. Und das ist doch genau, was gute Vermittlung leisten soll: Danach nicht einfach weitermachen, sondern kurz über das Gehörte/Gesehene nachzudenken.

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