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15.5.2026
Von Kristina Klocke
Der juristische Operndoppelabend TRIAL BY JURY / GIANNI SCHICHI des Landestheaters Niederbayern ist das erste Gastspiel der Bayerischen Theatertage und legt an Rahmenprogramm gleich doppelt auf: mit einer Stückeinführung der Dramaturgin Swantje Schmidt-Bundschuh und einem Nachgespräch mit dem Bayern 2 Kulturredakteur Peter Jungblut.
Die Inszenierung ist gleichzeitig der Abschied des Regisseurs Stefan Tilch, der am Ende dieser Spielzeit die Intendanz des Landestheaters Niederbayern abgeben wird. Im Nachgespräch erzählt Tilch, dass er mit GIANNI SCHICHI von Giacomo Puccini als Kind seine Liebe zur Oper entdeckt habe und die Umsetzung einer Inszenierung ein Herzensprojekt gewesen sei. Da die Oper ein Ein-Akter ist, stelle sich hierbei immer die Frage, mit welchem Werk sie kombiniert werden könne. Tilch, selbst Juristensohn, hat sich für eine neue Variante entschieden: ein juristischer Doppelabends, in Kombination mit Gilbert und Sullivans TRIAL BY JURY.
Die Inszenierung, so wird in der Stückeinführung erklärt, wird Spuren britischen Humors und kleine Sketche à la Monty Python beinhalten. Diese treten in der ersten Hälfte (TRIAL BY JURY) in Form des Ritters mit der Gummiente prompt in Erscheinung. Jedoch dauert es bis zur Pause, bis Ensemble und Publikum in Fahrt geraten und die Gags auch richtig zünden. Gianni Schichi wartet immer wieder mit dem Kontrast zwischen Abstrusen und Ernsthaftem auf. So fördert die fiebrige Suche nach einem Testament zunächst ein ansehnliches Arsenal an Schusswaffen zu Tage und die Enttäuschung der Familie, wenn das Röcheln des bereits tot geglaubten Erbonkels doch wieder einsetzt, sorgt im Publikum für einige Lacher. Puccinis wunderschöne Melodien werden dabei gerne durch PowerPoint-Präsentationen mit albernen Effekten herrlich und bitterböse konterkariert.
Die gesangliche Leistung des Ensembles sorgt zusätzlich für einen gelungen Abend. William Diggle schlägt sich als Anwalt im ersten Teil trotz Stimmbandentzündung noch tapfer, muss nach der Pause gesanglich jedoch von einem Kollegen vertreten werden. Als Gianni Schichi stellt Byung Jun Ko Variationstalent unter Beweis, wenn er spielend zwischen der echten Baritonlage des Titelcharakters und dem näselnden Tenor des Don Buosos hin und her wechselt.
Am Ende verabschiedet das Publikum das Ensemble aus Passau, Landshut und Straubing mit wohlwollendem Applaus für etwas, das man nicht alle Tage sieht: ein humoristischer Opernabend mit juristischem Schwerpunkt.
Die Blog-Rubrik #Seitenblicke verbindet kulturwissenschaftliches Hintergrundwissen mit den Eindrücken und Erfahrungen aus dem Theaterbetrieb. In der ersten Podcast-Folge "Studentischer Dialog" sprechen Kristina Klocke und Anna Schütz über die Eröffnung der BTT, die Afterparty, das Motto VIELFALT LEBEN, ein bereits gesehenes Stück und die Erwartungen an das Festival und das Theater selbst.
Was heute als größtes Theaterfestival Bayerns Einsicht in die breite Theaterlandschaft ermöglicht, begann vergleichsweise klein. Anfangs lag der Fokus des Festivals weniger auf der Idee eines publikumswirksamen Großereignisses; stattdessen sollte es ein Ort der Selbstverständigung sein, ein Netzwerk- und Repräsentationsraum für die bayerischen Theater selbst. Dabei wurden die Produktionen immer aufwändiger und komplexer, sodass das Festival seit 2018 im Zweijahresrhythmus stattfindet.
Bitte einmal alles vergessen, was Sie über samtene Sessel und das Schweigen im dunklen Zuschauersaal wissen. Diese Theater-Formate sprengen Etikette, die vierte Wand, Genregrenzen oder schaffen eine einzigartig entspannte Atmosphäre: Die 40. Bayerischen Theatertage laden dazu ein, Theater neu zu entdecken.