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24.5.2026
Von Kristina Klocke
„Eigentlich bin ich ja Architektin“ sagt Brigitte West über ihre Arbeit als Gewandmeisterin für die Damen am Staatstheater Regensburg. Es sei ihre Aufgabe aus zweidimensionalen Zeichnungen Kostüme zu erschaffen, die an dreidimensionalen Körpern optimal sitzen.
Ihr Arbeitszimmer liegt in der Kostümabteilung des Haupthauses am Bismarckplatz direkt unter dem Dach, am Anfang eines langen Ganges auf der linken Seite. Gegenüber befindet sich das Arbeitszimmer ihrer Kollegin, Gewandmeisterin für die Herren. Da es sich bei Herren- und Damenschneiderhandwerk um verschiedene Ausbildungen handelt, ist die Anfertigung der Kostüme nach Geschlechtern getrennt. Dahinter liegen die Schneiderwerkstätten, wo die Nähkräfte an ihren Nähmaschinen die Kostüme fertigen. Um die Ecke befindet sich der Fundus.
Gewandmeister*innen stellen die entscheidende Schnittstelle zwischen Kostümentwurf und Näharbeit dar. Bevor ein Kostüm gearbeitet werden kann, erhält die Gewandmeisterinnen Figurinen von der Kostümbildnerin. Figurinen sind Schablonen von menschlichen Körpern, auf die die Skizzen der Kleider gezeichnet werden. Dazu gibt es manchmal auch ein kleines Mood-Board und bereits einige Stoffproben. Die Gewandmeisterinnen sind für die praktische Umsetzung zuständig. Aus den Entwürfen schaffen sie die Schnittmuster der Kostüme, die auf die jeweiligen Darsteller*innen maßgeschneidert werden. Daraus entsteht für jede Produktion ein dicker Ordner mit Figurinen, Stoffproben und Klarsichtfolien für die Schnitte jedes einzelnen Kostüms.
Nicht jedes Kostüm wird neu angefertigt. Es gibt einen riesigen Fundus, aus dem auch immer wieder Kostüme für neue Produktionen ausgegraben werden, einfache Kleidungsstücke, wie Hosen oder T-Shirts werden auch mal dazu gekauft. Trotzdem, jedes Kleidungsstück muss angepasst werden. Kurz gesagt: nicht alles, was man auf der Theaterbühne sieht, wurde von den beiden Gewandmeisterinnen entworfen. Aber jedes Kostüm, das die Darsteller*innen tragen, ging einmal über ihren Arbeitstisch. Wie viele Kostüme neu gefertigt, aus dem Fundus genommen oder dazugekauft werden, legen übrigens nicht nur die Vorlieben des Regisseurs oder die Ideen der Kostümbildnerin fest, sondern hängt auch im Wesentlichen davon ab, wie viele Arbeitsstunden die Gewandmeister*innen und ihre Teams zur Verfügung haben.
Brigitte West war lange Zeit selbständige Damenschneiderin, bevor sie vor zwei Jahren die Stelle im jetzigen Staatstheater antrat. Die Größte Umstellung stellten anfangs die Kostüme für die Tänzer*innen dar, die sehr viel Bewegungsfreiheit zulassen müssen. Am Anfang sei es für sie schwierig gewesen, einzuschätzen, wie viel Stoffzugabe insbesondere für die Arme gebraucht worden sei. Inzwischen lässt sie sich bei der Maßnahme alle Bewegungen der Choreografie von den Tänzer*innen vorführen.
Da jeder Körper einzigartig ist, sei es das Wichtigste in ihrem Beruf, ein Auge für Körperformen zu haben und zu wissen, wie sich der Stoff und der Schnitt auf einem bestimmten Körper verhalten werden. Umso schöner sei es dann, wenn „es am Ende einfach passt“.
Seit über einer Woche laufen die 40. Bayerischen Theatertage! Von berührendem Schauspiel, spannenden Nachgesprächen, einer Silent Disco, einem Musicalspektakel bis hin zu Tanz in ganz Regensburg gab es Einiges zu erleben!
Die Blog-Rubrik #Seitenblicke verbindet kulturwissenschaftliches Hintergrundwissen mit den Eindrücken und Erfahrungen aus dem Theaterbetrieb. Beim 2. Studentischen Dialog geht es um alten Shakespeare-Stoff neu erzählt, ob man für das Musical SEELE FÜR SEELE die Einführung gebraucht hat und wie sich eine SILENT DISCO anfühlt. Außerdem gab es diese Woche Einblicke hinter die Kulissen und einen Ausblick auf die nächsten Festivaltage!
Diese Blog-Rubrik besteht aus Texten von sieben Studierenden der Universität Regensburg. Diese beschäftigen sich im Rahmen des Seminars „Spot on!“ mit den 40. Bayerischen Theatertagen und bringen unter dem #Seitenblicke ihre kulturwissenschaftlichen Perspektiven in den BTT-Blog ein.