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13.5.2026
von
Jennifer Redlich
Regensburg ist seit der Eröffnung der 40. Bayerischen Theatertage am Freitag aufgeteilt in Spielstätten, in kleine Wege mit hübschen Gebäuden dazwischen, in Haltepunkte, an denen Menschen kurz stehen bleiben und wieder weitergehen.
Es gibt keinen Mittelpunkt, der alles bündelt. Stattdessen beginnen die 40. Bayerischen Theatertage in den ersten Tagen immer wieder neu und das an vielen Stellen gleichzeitig.
Vor allem fällt die immerwährende Bewegung auf. Selten bleiben Menschen und Gruppen länger an einem Ort. Hier geht ein Blick ins Programm, da ein kurzer Abgleich der Uhrzeit, dann wieder ein paar Schritte weiter. Immer mit dabei: Vorfreude.
Beim Theater am Haidplatz stehen Menschen mit gefalteten Plänen in der Hand. Am Bismarckplatz dreht sich jemand um, fragt nach dem Weg zum Jungen Theater, bekommt eine freundliche Antwort. Neben dem Antoniushaus löst sich eine kleine Gruppe auf. „Da nach vorne, gerade aus und dann links.“ Die Szenen wiederholen sich, ohne dass sie gleich wirken.
Jeder Weg fühlt sich wie ein neuer Anfang an. Selbst wenn man schon weiß, wohin man will, bleibt ein Moment der Überraschung, etwas Schönes entdeckt zu haben. Damit wird jeder Weg zum richtigen.
Regensburg wirkt in diesen Tagen vertraut und gleichzeitig neu. Straßen, die man kennt, bekommen eine neue Funktion. Da werden Haltestellen zu Treffpunkten, Ecken zu Orientierungspunkten und Plätze zu Zwischenräumen für Begegnungen oder ein Eis.
Man sieht Menschen, die nicht einfach unterwegs sind, sondern unterwegs im Abgleich mit Ihrem Plan: Zeit, Ort, Programm. Immer wieder zwischendrin ist dieser kurze Stillstand, eine Ruhe, auf die ein Richtungswechsel folgt.
Regensburg wird so zum System von Verbindungen. Alles hängt an den Wegen zwischen den unterschiedlichen Orten.
In den verschiedenen Spielstätten selbst setzt sich dieser Eindruck fort. Die Türen öffnen sich, Menschen kommen nach und nach hinein. Manche sitzen früh da und warten still, andere betreten den Raum kurz vor der Vorstellung. Die Türen werden geöffnet. Es entsteht eine Mischung aus unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Wie auch auf der Bühne beim Tanz mischen sich Tempi und es entsteht ein eindrückliches Bild.
Viele der Veranstaltungen sind analoge, unmittelbare Situationen. Kein Bildschirm, keine zweite Verarbeitung, kein zeitlicher Abstand. Das Geschehen passiert im selben Raum, in dem es wahrgenommen wird.
Das Publikum hört, sieht und reagiert.
Am Anfang des Festivals fällt diese Form der Direktheit besonders auf. Wir sind noch nicht an die Abläufe gewöhnt, nichts ist Routine geworden. Jeder Moment wird so bewusst aufgenommen.
Mit den Tagen werden Wege vertrauter. Man weiß schneller, wo man hinmuss. Abläufe beginnen sich zu wiederholen.
Gerade dadurch verschiebt sich der Blick zurück auf den ersten Tag. Nicht, weil dort etwas Spektakuläres passiert ist, sondern weil noch nichts selbstverständlich war. Weil jede Situation ein Versuch war, das Neue und Aufregende zu konservieren und mitzunehmen.
Die Blog-Rubrik #Seitenblicke verbindet kulturwissenschaftliches Hintergrundwissen mit den Eindrücken und Erfahrungen aus dem Theaterbetrieb. In der ersten Podcast-Folge "Studentischer Dialog" sprechen Kristina Klocke und Anna Schütz über die Eröffnung der BTT, die Afterparty, das Motto VIELFALT LEBEN, ein bereits gesehenes Stück und die Erwartungen an das Festival und das Theater selbst.
Was heute als größtes Theaterfestival Bayerns Einsicht in die breite Theaterlandschaft ermöglicht, begann vergleichsweise klein. Anfangs lag der Fokus des Festivals weniger auf der Idee eines publikumswirksamen Großereignisses; stattdessen sollte es ein Ort der Selbstverständigung sein, ein Netzwerk- und Repräsentationsraum für die bayerischen Theater selbst. Dabei wurden die Produktionen immer aufwändiger und komplexer, sodass das Festival seit 2018 im Zweijahresrhythmus stattfindet.
Bitte einmal alles vergessen, was Sie über samtene Sessel und das Schweigen im dunklen Zuschauersaal wissen. Diese Theater-Formate sprengen Etikette, die vierte Wand, Genregrenzen oder schaffen eine einzigartig entspannte Atmosphäre: Die 40. Bayerischen Theatertage laden dazu ein, Theater neu zu entdecken.