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20.5.2026
von Marie Bittmann
Eine riesige Diskokugel über der Theaterbühne, angestrahlt von buntem Licht, das den ganzen Raum mit ihrem Funkeln erfüllt. „Ich boykottiere dich, Realität. Du bist es nicht wert, dass sich die Welt um dich dreht.“ Der Song wird abgespielt und im nächsten Moment sind wir mitten im Kopf eines Mädchens namens Isa und werden auf ihre Reise und vor allem in ihre Gedanken mitgenommen.
Mitglieder des Theater Wasserburg sind am Dienstag, den 19. Mai angereist, um das Stück BILDER DEINER GROßEN LIEBE in der Inszenierung von Annett Segerer am Abend im Antoniushaus in einem vollen, bunt gemischten Saal im Antoniushaus aufzuführen. Auf der Bühne standen vier Schauspieler*innen: Andreas Hagl, Susan Hecker, Lea Luisa Schönhuber und Carsten Klemm. Das Schauspiel ist eine Adaption des unvollendeten gleichnamigen Romans von Wolfgang Herrndorf und erzählt die Geschichte von Isa, die aus einer Nervenheilanstalt ausbricht und von ihren Begegnungen und Erlebnissen auf ihrer Reise berichtet.
Die Inszenierung selbst sowie die Gespräche und Monologe, die sich auf der Bühne abspielen, standen im Vordergrund, weshalb das Bühnenbild eher schlicht gehalten wurde: eine schief hängende Girlande, herumstehende Dekoration und leere Kästen. Die Regisseurin selbst nannte es das „was am Ende von einem Fest noch übrig ist“. Eine Art Treppe in der Mitte, rundherum wenige Requisiten, die im Verlauf des Stücks mehrfach umfunktioniert wurden. Warum sollten gestapelte Bierkästen auch keinen Rasenmäher darstellen können?
Das Publikum wurde eingeladen, seine eigene Fantasie für die Szenenwechsel und Isas Umgebungen zu nutzen, da Lange Mono- und Dialoge mit literarischen und metaphorischen Beschreibungen gefüllt wurden. Die vier Schauspieler*innen spielten jede Rolle gleichzeitig – und jeder war Isa, auch das Publikum. Immer wieder griff das Schauspiel Schwierigkeiten des Alltags und die Herausforderungen des Lebens auf. „Das Glück bringt nie so viel Glück, wie das Unglück Unglück.“ Zwischen den Szenen wurde lange Liederausschnitte gespielt, während die Schauspieler*innen eingefroren auf der Bühne verharrten. Die Texte der Songs, unter anderem von MOLA und Anna Mabo, waren inhaltlich auf die Gedanken über das Leben und damit aus Isas Sichtweise abgestimmt. Für das Publikum boten die Musikpassagen einen kurzen Moment zum Innehalten, um die langen Gedankenflüsse auf sich wirken zu lassen. Alles in allem wurde man mit vielen Eindrücken, chaotischen Denkweisen und ausgefallenen Geschichten konfrontiert, die Isa auf ihrer Reise erlebt. Große Fragen über das Leben tauchten auf und vermittelten eine Sichtweise darauf, wie schmerzhaft es sein kann.
Zum anschließenden Nachgespräch erschienen ein paar Zuschauer*innen. Die Regisseurin und Schauspieler Andreas Hagl wiesen darauf hin, mit Abschlussgesprächen nicht vertraut zu sein, weshalb sie vor allem mit Fragen aus dem Publikum arbeiteten. Nicht alle Anliegen konnten geklärt werden, aber vielleicht ist genau das die Intention des Stückes. Die Themen, die Isa beschäftigen, werden von jedem Menschen anders wahrgenommen. Sie sind persönlich und intim. „Jeder verlässt den Saal mit anderen Gedanken, weil sich jede*r auf seine Art in Isa wiederfinden kann“, so Andreas Hagl als Abschlussbemerkung.
Seit über einer Woche laufen die 40. Bayerischen Theatertage! Von berührendem Schauspiel, spannenden Nachgesprächen, einer Silent Disco, einem Musicalspektakel bis hin zu Tanz in ganz Regensburg gab es Einiges zu erleben!
Die Blog-Rubrik #Seitenblicke verbindet kulturwissenschaftliches Hintergrundwissen mit den Eindrücken und Erfahrungen aus dem Theaterbetrieb. Beim 2. Studentischen Dialog geht es um alten Shakespeare-Stoff neu erzählt, ob man für das Musical SEELE FÜR SEELE die Einführung gebraucht hat und wie sich eine SILENT DISCO anfühlt. Außerdem gab es diese Woche Einblicke hinter die Kulissen und einen Ausblick auf die nächsten Festivaltage!
Diese Blog-Rubrik besteht aus Texten von sieben Studierenden der Universität Regensburg. Diese beschäftigen sich im Rahmen des Seminars „Spot on!“ mit den 40. Bayerischen Theatertagen und bringen unter dem #Seitenblicke ihre kulturwissenschaftlichen Perspektiven in den BTT-Blog ein.