Dauer: ca. 2 Stunden 15 Minuten | eine Pause
14.5.26 | 19.30–21.45 | Bismarckplatz
KartenWelche von Kafkas Erzählungen muss man gelesen haben? Alle! Durch die veränderte Weltlage ist Kafka zu einem der wichtigsten „Gegenwartsautoren“ geworden. Niemand kann das Bedrohliche, Undurchschaubare und die absurde Bürokratie der Angst so darstellen wie er. Das Adjektiv „kafkaesk“ beschreibt nicht seine Literatur, sondern die Wirklichkeit. Doch Kafka ist viel mehr als nur diese eine Tonart. Und so widmet sich dieser Theaterabend auch seinen unbekannten Facetten: dem Schwimmer Franz Kafka, dem großen Verwandler und Kafkas Komik. Roter Faden bei dieser Reise durch Kafkas Erzählwelt ist sein „Brief an den Vater“, eine persönliche Abrechnung mit dem dominanten Vater, der mit jedem Satz mehr und mehr zur Figur wird: eine literarische Ermächtigung über die Angst und zugleich die Matrix von Kafkas vielgestaltigem Schaffen.
Das ETA Hoffmann Theater versteht sich als kultureller Knotenpunkt der Stadt Bamberg. Die vielfältigen Kooperationen und Brückenschläge mit anderen Kulturschaffenden der Stadt folgen dem „Local Player“-Prinzip: der engen Verbindung zu den besonderen Qualitäten und Talenten in der Nähe sowie zu den Themen der Stadt bzw. Stadtgesellschaft.
„Viel zu erzählen“ – das Motto der ersten Spielzeit unter der Intendanz von John von Düffel steht für die Suche nach verbindenden Geschichten und für das Theater als poetischen Raum. Gemeint ist die Verbindung von Schauspiel mit Figurentheater und Musik sowie von literarischen Texten des Kanons mit Überschreibungen und Neuentdeckungen der Gegenwartsdramatik. Dank seiner Inhaltlichkeit ist der poetische Raum nicht unpolitisch, sondern vorpolitisch. Seine Gesellschaftsbeschreibungen sind nicht durch mitgelieferte Meinungen oder Gesinnungen kritisch, sondern durch Genauigkeit und vertrauen auf die Urteilskraft des Publikums. Als analoger Ort der Begegnung setzt das ETA Hoffmann Theater der zunehmenden Polarisierung und Isolation eine gemeinsame ästhetische Erfahrung entgegen und sieht in der Zugänglichkeit für teils sehr verschiedene Menschen und Schichten seinen gesellschaftlichen Auftrag.