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27.5.2026
Rezension zu DIE TAGEBÜCHER VON ADAM UND EVA
Von Julia Forster
Im Rahmen der Bayerischen Theatertage zeigte das Theater Hof am Sonntag, den 24.5. im Antoniushaus die letzte Vorstellung des satirischen Musicals DIE TAGEBÜCHER VON ADAM UND EVA. Mit dem Musical von Marc Seitz und Kevin Schroeder nach Mark Twain brachte die Regisseurin Rita Sereinig eine unterhaltsame und pointierte Erzählung der Geschichte der ersten Menschen auf die Bühne. Eine vierköpfige Band begleitete das Publikum mit jazzigen Klängen auf der Expedition in das Dschungelparadies.
Vogelgezwitscher, Mückensummen. Die in himmelblau getränkte Pflanzenwelt mit Bällebad lässt unweigerlich an IKEA Småland denken. Bepackt mit Rucksack und Taschenlampe bahnen sich Adam (Maurice Daniel Ernst), gefolgt von Eva (Carolin Waltsgott), nacheinander den Weg auf die Bühne. Auf der Rückseite ihrer T-Shirts prangen Telefonnummern. Eine Stimme aus dem Off verortet die Inszenierung: „Herzlich willkommen zur Realityshow DIE TAGEBÜCHER VON ADAM UND EVA – Dieses Mal zu Gast: Die ersten Menschen.“
Auf der Bühne folgt ein Rückblick auf die erste Begegnung der beiden: Eva ist von Einsamkeit geplagt und auf Partnersuche. Als die wissbegierige redselige Eva auf den eigenbrötlerischen Adam trifft, stoßen zwei Welten aufeinander. Während sie mit einem Notizblock in der Hand die Welt erforschen will, begnügt er sich mit Däumchen drehen, dösen und träumen. Diese Gegensätzlichkeit sorgt dabei immer wieder für Lacher im Publikum – so auch wenn Eva sich irgendwann die Frage stellt: „Ist er die Testversion und ich das Update?“
Gemeinsam schlagen sich Adam und Eva durch unterschiedliche Dschungelprüfungen, die ihre Beziehung immer wieder an ihre Grenzen bringt. Es entsteht eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Eva teilt dabei eine wichtige Einsicht: „Wer hoch zu den Sternen blickt, sieht sie auch fallen.“
Eine Prüfung fordert die beiden besonders heraus: das Verbot, vom Baum der Erkenntnis zu essen. Ein Missverständnis führt dazu, dass sie doch von dem berühmten Apfel kosten, – ein Regelverstoß mit weitreichenden Konsequenzen.
Nach der Pause findet das Publikum das Bühnenbild wüst und leer vor. Die Figuren sind zerzaust und verkatert, Evas Hemd ziert ironisch das Apple-Logo. Anders als im Dschungelparadies ist das Leben nun mühsam: Eva wird von Wassereinlagerungen, Bauchkrämpfen und Schweißausbrüchen geplagt und bringt unter Schmerzen Kain und Abel auf die Welt.
Auf der Bühne wird sichtbar, wie das Paar gemeinsam durch Höhen und Tiefen geht und sich dadurch emotional annähert. Als es schließlich zum tragischen Tod Abels kommt, wachsen die beiden noch mehr aneinander und erkennen: Wo immer die andere Person ist, da ist auch das Paradies.
„Bei dem Stück hat sich die Mühe wirklich gelohnt,“ erklärt Chefrequisiteur Frank Buck im Gespräch mehrere Stunden vor der Aufführung von DAS SCHWEIGENDE KLASSENZIMMER. Im Rahmen einer „teilnehmenden Beobachtung“ – einer kulturwissenschaftlichen Forschungsmethode, die durch Beobachtung, persönliche Teilnahme sowie informelle Gespräche Einblicke in soziale Praktiken ermöglicht – begleitete ich das Gastspiel des Mainfranken Theaters Würzburg bei den Bayerischen Theatertagen.
Als Zuschauer*innen erleben wir Theater oft über das, was uns unmittelbar gezeigt wird: Bühne, Licht, Kostüme, Performance. Dabei baut jede Inszenierung auf einer Vielzahl an Prozessen auf, die für uns oft unsichtbar bleiben. So braucht eine Inszenierung, lange bevor sie endlich den Tag der Premiere feiern kann, eine Person, die Texte bearbeitet, Hintergründe recherchiert, Konzepte mitentwickelt, Feedback gibt und zwischen Regie, Ensemble und Publikum vermittelt.
Der Zuschauerraum ist noch leer, doch auf der Bühne herrscht bereits Konzentration. Kabel werden verlegt, Bühnenteile verschoben, Lichteinstellungen getestet. Während später das Publikum vor allem die fertige Inszenierung wahrnimmt, entsteht Theater lange davor, in einer Teamarbeit hinter und auf der Bühne.